Offene Großstadtkirche

„Offene Großstadtkirche“ – ein Konzept mit Zukunft? Vorbild für alle? Oder eine kostspielige Sackgasse? Der EAK im Bezirk Niederrhein und der noch junge EAK-Kreisverband Düsseldorf wollten es genau wissen und sich selbst an Ort und Stelle in der Düsseldorfer Johanneskirche informieren. Dort empfing Pfarrer Dr. Uwe Vetter die Teilnehmer der Veranstaltung am Freitagabend – einen Tag nach „Johanni“ – im Kirchencafé, der Innenstadtoase für eilige Gäste. Das „niederschwellige“ Angebot an schlichten Tischen und Stühlen für Banker und Obdachlose, Sekretärinnen und Großstadteinkäuferinnen dient der Kontaktaufnahme auch mit Kirchenfernen. Die Abendandacht im Kirchraum mit Kurzpredigt, Orgelmusik und Vaterunser setzte dann einen markanten Kontrapunkt: Besinnung und praktizierter Glaube inmitten der Geschäftigkeit der Landeshauptstadt.

Für die EAK-Mitglieder bot sich anschließend die Möglichkeit, das an der Johanneskirche verfolgte Konzept in seinen zahlreichen Facetten erläutert zu bekommen: Die Gestaltung des Kirchenschiffes, dessen Nutzung für Veranstaltungen, deren Finanzierung mit Hilfe von Sponsoren, die dafür einzuhaltenden Qualitätsstandards, die kontinuierliche Übertragung der Sonntagsgottesdienste im regionalen Privatfernsehen, die Planung, Durchführung und – von Vetter besonders hervorgehoben – auch Wiederabsetzung von Projekten, die Auswirkungen auf das Personal und dessen Kreativität wie auch auf die Leitungsstrukturen – die „Offene Großstadtkirche“ zeigte sich als ein komplexes Unternehmen mit manchen Überraschungen. Auch die bewußt in Kauf genommenen Defizite dieses speziellen Angebots ließ Vetter nicht aus: Auf soziale Einrichtungen wie Kindergärten verzichtet seine als Kontaktstelle, Ereignis- und Predigtstätte dienende Kirche ebenso wie auf permanente Gruppen, die soziale Nähe vermitteln, aber unbewußt auch hohe Zutrittsschranken mit sich bringen. Wer dauerhaften sozialen Anschluß sucht, wird an der Johanneskirche auf seine jeweilige Ortsgemeinde verwiesen. Nicht als „Kostgängerin“ der Vorstadt- und Umlandgemeinden, sondern als „Leuchtturm“, der auf die Möglichkeiten kirchlichen Lebens heute verweist, verstehen die Verantwortlichen daher helle, offene Johanneskirche.
Lebhafte Nachfragen der gemeindlich engagierten Teilnehmer förderten weitere Aspekte zu Tage: Wie steht es mit der Ökumene? Wie sieht es mit der überregionalen Zusammenarbeit der Großstadtkirchen aus? Wie stark wird die Wiedereintrittsstelle frequentiert? Am Ende der gelungenen Begegnung über den Rhein hinweg stand der Eindruck, daß das in England entwickelte Konzept, die Menschen dort „abzuholen“, wo man sie heute trifft, die bisherige kirchliche Arbeit nicht ersetzen, wohl aber auf ansprechende Weise ergänzen und bereichern kann.

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