
Im Rahmen eines Themenabends des Evangelischen Arbeitskreises der CDU im Ennepe-Ruhr-Kreis hat die
Aussteigerberaterin des Wittener Jugendamtes Frau Silvia Eilhardt im Mehrgenerationenhaus der Stadt Ennepetal über ihre Arbeit berichtet.
Seit dem sogenannten Wittener Satansmord im Jahr 2001 gibt es beim Jugendamt der Stadt Witten eine Aussteigerberatung mit dem Schwerpunkt Satanismus, in der auch Opfer Ritueller Gewalt im Kontext mit Satanismus beraten und betreut werden. Frau Eilhardt führte die Teilnehmer mit einem spannenden aber auch erschreckenden Vortrag in Ihre Tätigkeit und die Welt des Satanismus ein.
Sie beschrieb dabei drei Grundströmungen mit denen sie sich in ihrer Arbeit beschäftigen muss: Hierbei handelt es erstens um den jugendzentrierten Satanismus, bei dem junge Menschen oft inspiriert durch Fantasy-Bücher, bestimmte Szenen der Jugendkultur (Gothic u.a.) und Praktiken des Okkultismus (Gläserrücken, Pendeln etc.) Grenzen überschreiten und dem Satanismus bzw. Vampirismus verfallen.
Während der Ausstieg beim jugendzentrierten Satanismus meist gelingt ist dies bei der zweiten Strömung, dem Religiösen Satanismus um einiges schwieriger. Die oft weltweit organisierten satanistischen Sekten wie „Church of Satan“, „Temple of Set“ oder „Ordo Templi Orientis“ entstanden meist Ende des 19., Anfang des 20. Jhd. und wurden gegründet bzw. inspiriert von höchst fragwürdigen Personen wie Aleister Crowley, Dennis Weathley und Anton Szandor LaVey. Ihnen gemeinsam ist die Schaffung eines weltanschaulichreligiösen Systems mit antichristlicher Ideologie, also die Ablehnung des Christentums und des gütigen
Gottes. Vielmehr kehren sie die Prinzipien des Christentums um, beten den Teufel an und machend den Mensch zum Maß aller Dinge. Dies drückt sich meist in einem weltanschaulichen Sozialdarwinismus und der eigenen Vergöttlichung aus.
Wirklich betroffen machten die Teilnehmer des Themenabends aber die Ausführungen von Frau Eilhardt zum Thema Rituelle Gewalt, ihrem dritten Arbeitsfeld im Bereich des Satanismus. Hier betreut die Aussteigerberaterin des Wittener Jugendamtes Opfer nicht nur, aber auch aus Witten und dem Ennepe-Ruhr-Kreis, die durch rituelle Gewalt, Missbrauch und Vergewaltigung meist schwer traumatisiert sind. Verborgen von der Öffentlichkeit und kaum bekannt gibt es einen oft über Generationen weiter gelebten Logen-Satanismus kleiner verschlossener Gruppen, die ihre eigenen Kinder schon im Kleinkindalter über lange Zeit hinweg im Rahmen satanistischer Praktiken schwere emotionale, sexuelle und körperliche Gewalt antun. Durch die schwere Traumatisierung der Opfer, die sich meist in multiplen Persönlichkeitsstörungen ausdrückt, und die Abschottung der Gruppen unter Todesdrohungen ist eine Strafverfolgung der Täter in den meisten Fällen bisher nicht gelungen, obwohl es auch zu Ritualmorden von Säuglingen kommen soll.
Um eben dies zu ändern, aufzuklären und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren hat Frau Eilhardt im Jahr 2003 den bundesweiten „Arbeitskreis Rituelle Gewalt“ gegründet, der sich regelmäßig in Witten trifft. Mittlerweile 45 Experten, Lehrer, Polizisten Psychotherapeuten, Richter, oder Gerichtsmediziner treffen sich dann zum Austausch und zur gemeinsamen Erforschung dieser unbekannten Welt, die so vollkommen unvorstellbar scheint. Eine Befragung des Arbeitskreises im Jahr 2005 von bundesweit mehr als 2500 Psychotherapeuten in Deutschland hat aber ergeben, dass es allein im Ruhrgebiet 72 Hinweise auf Fälle Ritueller Gewalt gab.
In der anschließenden Diskussion mit den Teilnehmern des Themenabends ging es auch um die Kraft des Christentums während der Ausstiegsberatung. Der eigenen Glauben gibt Frau Eilhardt als evangelische Christin dabei oft Unterstützung und die Möglichkeit in Gesprächen mit Satanisten, die oft versuchen ihrer „Religion des Ego“ einen intellektuellen Anspruch zu geben, zu bestehen.